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Fütterung an giftige und ungiftige Schlangen

So wichtig wie eine optimale Haltung ist die qualitätsgerechte Ernährung der Schlangen in ausreichender Menge. Nun ist der Stoffwechsel der poikilothermen (wechselwarmen) Schlangen längst nicht so intensiv wie beim warmblütigen Vogel oder Säugetier. Schlangen können wahre Hungerkünstler sein. Für eine langjährige Terrarienhaltung und für die erfolgreiche Vermehrung ist jedoch eine abwechslungsreiche und vollwertige Fütterung erforderlich.

Die Zeiträume, in denen vor allem grosse Schlangen keine Nahrung zu sich nehmen, werden immer wieder sensationell herausgestellt. Ein- bis zweijährige Futterverweigerung wurde für viele Arten beschrieben; zu den »Rekordanwärtern« dürfte ein Netzpython (Python reticulatus) zählen, der 3 Jahre lang fastete. Bei der Beurteilung solcher Ereignisse wird meist übersehen, welche relativ grossen Nahrungsmassen bei einem Fressakt aufgenommen werden. So wurde für grosse Pythons berechnet, dass bei einer Mahlzeit annähernd das Vierhundertfache des täglichen Energiebedarfes aufgenommen werden kann. Hungernde Schlangen nehmen auch nur sehr langsam ab. So ergab ein Experiment, dass mehrere Floridakettennattern (Lampropeltis getulus floridana) nach siebzehnwöchigem Hungern im Mittel nur 6,3 % an Körpermasse verloren hatten.

Kaum beachtet, da im Terrarium auch nicht immer so deutlich, bleibt meist die Tatsache, dass - wie die Fortpflanzung - auch der Stoffwechsel einer natürlichen Jahresrhythmik unterliegt. Dazu kommen Futterpausen vor der Häutung, in Zeiten der Paarung und im Stadium einer späten Trächtigkeit. Neuerworbene Schlangen sollten baldmöglichst ans Futter gehen. Stresssituationen durch Fang und Transport, Wassermangel während des Transports, veränderte Umweltbedingungen im Terrarium, ungewohntes Nahrungsangebot oder inzwischen eingetretene Erkrankungen beeinflussen den normalen Stoffwechsel und die erste Futteraufnahme. Nun hat der Terrarianer 3 Möglichkeiten, Futterverweigernde Schlangen nicht verhungern zu lassen: Zunächst empfiehlt sich, den Tieren ein möglichst ähnliches Milieu zu bieten wie zuvor und ihnen wiederholt arttypische Beute vorzusetzen. Alle Störungen sind von den Schlangen fernzuhalten; vor allem stört die Anwesenheit allzu neugieriger fremder Personen. Hilft das nicht, sind die Umgebungsbedingungen -Temperatur, Feuchtigkeit, Beleuchtung - zu wechseln, und durch das Anbieten von verschiedenartigstem Futter ist eine ständige Reizsituation zu schaffen. Schliesslich bleibt als letzter Ausweg die Zwangsfütterung. Eine Spezialisierung auf eine bestimmte Nahrung ist bei Schlangen nicht nur arttypisch, sondern oft individuell ausgeprägt und wechselt mitunter. So frass ein Männchen der Kornnatter (Elaphe guttata) als einziges Tier einer grösseren Gruppe ausschliesslich Eintagsküken und Sperlinge - auch tote - und lehnte die immer wieder angebotenen Nagetiere aller Art und Grösse konsequent ab. Eine adult erworbene Strumpfbandnatter (Thamnophis sirtalis) frass ausschliesslich Frösche, was ziemliche Probleme bereitete, da einheimische Frösche aus Gründen des Artenschutzes nicht zur Verfügung standen. Eines Tages wurde das Einzeltier zu einer Gruppe anderer Strumpfbandnattern gesetzt und frass von Stund an -aus Futterneid? - Fisch, sogar zerteilt, aus einer Schale.

Liegt eine artspezifische oder individuelle Bevorzugung bestimmter Beute vor, kann es passieren, dass weisse Futtermäuse verweigert, graue oder schwarze jedoch problemlos gefangen werden. Sicher spielt der Geruch eine wichtige Rolle, wenn beispielsweise Labormäuse unbeachtet bleiben, eine Feld- oder Waldmaus oder eine junge Ratte dagegen sofort angenommen wird.

Zu beachten ist, dass Jungschlangen häufig eine andere Nahrung wählen, als sie adulte Tiere bevorzugen. Und eine Tatsache wird häufig übersehen: Ausgesprochen nachtaktive Schlangenarten lassen sich oft nicht dazu bewegen, am Tage angebotenes Futter anzunehmen. Ihr Pfleger denkt dabei an die alte Terrarianerregel, dass wehrhafte Beutetiere nachts aus dem Terrarium wieder zu entfernen sind, damit die durch die kühleren Nachttemperaturen im Terrarium trägeren Schlangen nicht angefressen werden. Etwas Futter für die hungrigen Nager im Terrarium vermindert die mögliche Gefahr wesentlich.

Aus Freilandbeobachtungen sind auch Wechsel in der bevorzugten Nahrung im Verlauf der Jahreszeiten bekannt. So ernährt sich beispielsweise der Breitbandkupferkopf (Agkistrodon contortrix laticinctus) aus Nordamerika im zeitigen Frühjahr von Fröschen, im späten Frühjahr von Jungvögeln, im Sommer von kleinen Nagetieren, um dann im Herbst wieder Frösche zu bevorzugen.

Die Häufigkeit der Futteraufnahme richtet sich nach der Verdauungsdauer. Die Zeitspanne vom Freßakt bis zur Ausscheidung der Exkremente ist abhängig von Terrarientemperatur, Futterart und Menge des aufgenommenen Futters: Höhere Temperaturen beschleunigen die Verdauung wesentlich, Fisch wird schneller verdaut als ein Säuger oder Vogel, eine vollständige Sättigung hält länger vor als eine vergleichsweise kleine Beute. Jeder Terrarianer wird also mit seinen Tieren eigene Beobachtungen anstellen und selbst Erfahrungen sammeln müssen.

Grossen Schlangen genügt eine Fütterung alle 2 Wochen oder seltener, Jungtiere fressen ein bis zweimal je Woche. Wassernattern, wie Vertretern der Gattungen Natrix, Nerodia, Thamnophis, kann alle 2 bis 3 Tage Nahrung angeboten werden.

Schliesslich spielt die Art des Darbietens eine Rolle: Bewegte Beute wird gewöhnlich bevorzugt, da durch sie natürliche Reflexe stimuliert werden - leblose Beute dürfte in der Natur wohl nur in Ausnahmefällen angenommen werden. Dreiste Futtertiere können die Schlange auch verschüchtern. Manche Schlangen verweigern nach einem unverhofften Mäusebiss für lange Zeit lebendes Futter.

Im allgemeinen gewöhnen sich viele Schlangen im Terrarium schnell an tot angebotene Beutetiere, besonders wenn diese mit einer Pinzette oder Kornzange vor ihnen bewegt werden. Dabei braucht die Beute nicht einmal immer frisch tot oder frisch aufgetaut zu sein. Jungschlangen nehmen tote Futtertiere häufig schon als Erstfutter ohne Probleme.

Zu vermeiden ist, dass zu viele Futtertiere auf einmal angeboten werden. Mehrere Futtertiere werden reflektorisch getötet und schliesslich nur eine Beute verzehrt. Der einmal ausgelöste Fang- und Schlingreflex kann auch dazu führen, dass zu viel oder zu grosse Nahrung verschlungen wird. Im Extremfall hält die äussere Haut der enormen Dehnung der Speiseröhre nicht stand und platzt. Solche Verletzungen, die übrigens auch beim unvorsichtigen Stopfen von Jungschlangen vorkommen, verheilen jedoch meist ohne Komplikationen. Eine sehr warme Haltung der Schlangen kann bei reichlicher Futteraufnahme Ursache dafür sein, dass Verwesungsprozesse im Futter schneller einsetzen, als die Verdauung vor sich geht, die sich dabei bildenden Gase den Leib der Schlange aufblähen und schliesslich nach ein, zwei Tagen das Auswürgen des gesamten, nicht gerade wohlriechenden Mageninhalts bewirken. Bei geschwächten Tieren kann diese körperliche Strapaze ernste Folgen haben.

Das Einfrieren von Futtertieren ist eine sehr zweckmäßige Methode, jederzeit das richtige Futter zur Verfügung zu haben. Wichtig ist, dass der Gefrierprozess sehr zügig bei wenigstens -18-C vonstatten geht und das Futter während der mehrmonatigen Lagerung sich nicht wesentlich erwärmt oder gar auftaut und ein zweites Mal eingefroren wird. So lassen sich Futterfische, Nagetiere - insbesondere die zur Schlangenaufzucht benötigten Mäusebabys - oder die nur sporadisch erhältlichen Eintagsküken auf Vorrat einlagern. Die Futtertiere werden am einfachsten und unblutig in einem dicht schliessenden Gefäss mit einem mit Äther getränkten Zellstoffbausch abgetötet. Sie werden dann Portionsweise verpackt - entweder gleich in luftdicht schliessenden Folienbeuteln oder in Haushalt-Aluminiumfolie-Päckchen, die zu mehreren in einem verschlossenen Kunststoffbeutel eingefroren und gelagert werden. Vor dem Verfüttern ist die Futterportion auf Körpertemperatur zu erwärmen.

Eine Zwangsfütterung als letzter Ausweg, eine bereits abgemagerte Schlange vor dem Verhungern zu bewahren, wird stets nur eine Notlösung sein. Sie ist weder für die Schlange sehr zuträglich noch für den Terrarianer problemlos, wenn es sich um grosse oder giftige Schlangen handelt. Hautfalten, so genannte Hungerfalten, oder gar schon ein deutliches Heraustreten der Wirbelsäule bei sonst rundrückigen Arten sind deutliche Hinweise darauf, dass der Ernährungszustand der Schlange prekär geworden und eine Zwangsfütterung angeraten ist.

Zur Zwangsernährung grösserer Schlangen ist eine Hilfsperson erforderlich, die die Schlange hinter dem Kopf ergreift und im vorderen Körperteil vorsichtig streckt. Bei grossen Riesenschlangen rechnet man je Meter Körperlänge mit einer Hilfskraft. Das Maul wird mit Hilfe eines Holzspatels oder ähnlichem mit sanfter Gewalt geöffnet. Mit einer stumpfen Pinzette schiebt man dann eine Beute tief in den Schlund der Schlange. Ein abgerundeter, glatter Stab kann den Futterbrocken Weiterschieben; dann folgt eine äussere Massage. Bei sehr geschwächten Schlangen ist nur ein kleiner Bissen leichtverdaulicher Nahrung zu stopfen. Die Zwangsfütterung braucht nicht mit der arttypischen Beute zu erfolgen. Viel leichter sind Fische oder Fleischstreifen zu stopfen. Bei langzeitiger Zwangsernährung ist jedoch darauf zu achten, dass bei der Verabreichung von schierem Fisch oder Warmblüterfleisch eine Aufwertung durch Kalkpräparate und Multivitaminpräparate (A, D3, E, C, bei Fischfressern auch Vitamin-B Komplex) erfolgt.

Relativ einfach und schonend ist die Verabreichung eines Futterbreies über eine Schlundsonde. Für diesen Brei wurden die unterschiedlichsten Rezepturen beschrieben, die von Eidotter über gequirltes Ei, Schabefleisch, den Zusatz warmer Milch, Traubenzucker bis zu zusammengesetzten Nahrungsgemischen reichen.

Als möglichst vollwertige Nahrung, die mit einer Spritze durch eine Sonde oder eine Kunststoffkanüle verabreicht wird, soll eine Futterpaste nach Fritzsche empfohlen werden. Sie besteht beispielsweise aus durchgedrehtem Herzfleisch, Geflügelleber, getrockneten oder frischen Wasserflöhen oder Bachflohkrebsen, Mineralstoffen und Vitaminen. Diese Futterpaste ist nicht zu flüssig zu verabreichen.

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Fütterung der Nagetiere an giftige und ungiftige Schlangen

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